Unsere Philosophie

Die Flüchtlings-Debatte ist paternalistisch

Die europäischen Medien berichten nur selten aus der Sicht der Flüchtlinge. Folglich gibt es einen Mangel an verschiedenen Perspektiven in der Debatte. Dies kann nicht allein durch eine größere Zahl von wissenschaftlichen Artikeln und Berichten aus Sicht einheimischer kompensiert werden. Konstruktive Kritik von Flüchtlingen an ihrer Behandlung besteht beinahe nicht. Wir wollen das ändern.

Der Slogan #NothingAboutUsWithoutUs (#NichtsÜberUnsOhneUns) kann auf alle Bewegungen für soziale Gerechtigkeit angewandt werden. Während dieses Hashtag aus der Behindertenbewegung herrührt, möchten wir seine Nutzung auf die Flüchtlings-Debatte ausweiten. Der Slogan verweist auf die Problematik des Paternalismus, der die Debatte hierzulande bestimmt. Unzählige Politiker, NGOs und Freiwillige haben ihr Herz an der richtigen Stelle, doch vergessen Sie, wirklich den Betroffen zuzuhören – den Flüchtlingen selbst. Das ist nicht nur demotivierend für die Flüchtlinge, sonder verursacht auch Ineffizienzen, die allen zum Nachteil gereichen.Indem wir Entscheidungen über die Köpfe der Flüchtlinge hinweg treffen, geben wir ihnen das Gefühl, keine Kontrolle über ihr Leben zu haben. Sie sind ihren Gastländern gewissermaßen ausgeliefert und müssen sich auf die Gutmütigkeit der Bevölkerung verlassen. Das klappt aber nicht immer und auch nicht überall. So gibt es zum Beispiel Hinweise, dass verpflichtende Sprach- und Integrationskurse Flüchtlinge, die die englische Sprache beherrschen, daran hindern, schnell Arbeit zu finden und auf diese Weise so schnell wie möglich wieder ein normales Leben führen zu können.

Wir möchten betonen, dass wir nicht für die Abschaffung jeglicher Regeln sind. Wir setzen uns stattdessen dafür ein, dass diese Regeln nicht über die Köpfe der Flüchtlinge hinweg festgelegt werden.

Während wir alle Initiativen zur Verbreitung der Geschichten von Flüchtlingen unterstützen, geht RefuTales noch einen Schritt weiter. Unserer Meinung nach ist es notwendig, dass Flüchtlinge selbst in die Flüchtlings-Debatte involviert werden: Statt über wollen wir mit den Flüchtlingen reden und ihnen dadurch die Möglichkeit geben, die Debatte, deren Thema sie sind, selbst mitzugestalten. Dies stärkt Flüchtlinge, da wir ihnen damit zeigen, dass wir ihre Erkenntnisse schätzen. Zudem hilft es, die unzähligen Probleme zu lösen, die noch bestehen: vom Wohnen über den Erwerb von Sprachkenntnissen bis hin zum Ankommen im Alltag und der Arbeitsmarktintegration. Die Meinungen der Flüchtlinge könnten der Schlüssel sein, nachdem wir alle gesucht haben.

Leider werden Flüchtlinge oft bevormundet und als passive und minderwertige Empfänger von Hilfe gesehen, die wir als “erfolgreiche und weise Westler” freundlicherweise unter unsere Fittiche genommen haben. Flüchtlinge sind aber genauso intelligent, kreativ und viele auch ebenso so gebildet wie wir. Indem sie es nach Europa geschafft haben, haben sie bereits ihre Bereitschaft bewiesen, Risiken auf sich zu nehmen und hart für Ihre Träume zu arbeiten -Eigenschaften, die in der heutigen Wirtschaftslage von wesentlicher Bedeutung sind. Noch wichtiger aber ist, dass Flüchtlinge Menschen sind und aufgrund ihres Menschseins allein Respekt verdienen.

Schwerpunkt: tägliche Probleme in Europa

Die Umstände, unter denen Flüchtlinge nach Europa kommen, sind häufig entwürdigend. Während Lösungen für diese Problematik dringend gefunden werden müssen, ist dies nicht Thema dieses Blogs, weil es zum einen bereits viele Initiativen gibt, die die Leiden Flüchtender zu lindern versucht. Zum anderen, weil ein Blog nur wenig beim komplexen Thema “Flucht” verändern kann.

In erster Linie wollen wir Ineffizienzen im Ankunftsland in Angriff nehmen, diese identifizieren und erklären, wie sie gelöst werden können.

Indem wir uns auf europäisches Territorium beschränken, hoffen wir, hierauf Einfluss haben zu können. Die täglichen Probleme, die Flüchtlinge daran hindern, in ihrer neuen Heimat aufzublühen, über die aber selten gesprochen wird, interessieren uns am meisten.

Über den Namen “RefuTales”

Wir möchten Flüchtlingen eine Plattform bieten, um konstruktive Ideen auf Basis ihrer Lebensgeschichten und Erfahrungen zu verbreiten. Deshalb haben wir einen Namen gewählt, der sowohl die englischen Wörter für Flüchtling (Refugee) und Erzählung (Tale) beinhaltet. Die Verkürzung “RefuTales” enthält darüber hinaus eine Anspielung auf das englische Wort “to refute”, welches anfechten bedeutet. Mit unserem Blog nehmen wenden wir uns gegen Bevormundung. Wenn Flüchtlinge nach Europa kommen, werden ihnen viele Freiheiten entzogen: Zu wohnen, wo sie wollen. Zu arbeiten, wo sie wollen. Die Sprache zu sprechen, die sie bevorzugen und gewohnt sind, und vieles mehr. Häufig werden sie wie Vieh behandelt, aufgeteilt zwischen verschiedenen Ländern und Regionen nach festen Quoten und Zufallsprinzip. Wir fechten das Prinzip an, dass Flüchtlingen der Willkür westlicher Völker und Politiker ausgeliefert sein sollten. Flüchtlinge haben eigene Meinungen und ihre Stimme sollte gehört werden. Dies ist in unser aller Interesse.

Fazit

Wenn Flüchtlingen in unsere Länder fliehen, werden Sie häufig vieler Freiheiten beraubt. In politischen Fragen, die sie selbst betreffen, wird ihnen selten zugehört. Mit RefuTales wollen wir dies ändern. Wir sind bestrebt, die Meinungen von Flüchtlingen einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Wir hoffen, Flüchtlingen in Europa eine Stimme zu geben. Im Idealfall wird unser Projekt neue Erkenntnisse generieren, die zu einer breiteren öffentlichen Debatte und neuen Lösungsansätzen führen.

Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben, dies zu lesen!

Cornelius, Sajida und Dorien