“Ich möchte einfach nur Visum für die Türkei”

Hussein ist allein von Aleppo nach Deutschland gereist. Er hat in Deutsch bereits das Sprachlevel B1 erreicht und ist eifrig dabei, seine Kenntnisse weiter zu verbessern. Das einzige was für ihn schwierig ist, ist die Trennung von seiner Familie. Husseins Bruder und seine Familie leben derzeit in der Türkei. Er steht mit ihnen in Kontakt, bekommt aber kein Visum, um sie zu besuchen.

“Voneinander getrennt zu sein ist nicht leicht, aber wir können nichts machen. Ich habe mich entschieden, hierher nach Deutschland zu kommen. Und ich habe es nie bereut. Es ist schön hier. Ich muss die Konsequenzen meines Handelns tragen.
Wenn ich heiraten würde, könnte ich meine Frau durch den Familiennachzug nach Deutschland holen. Das gilt aber nicht für meine Eltern.

“Einige Familienmitglieder werden für wichtiger als andere gehalten. Ein wenig willkürlich, oder?”

Ich habe gegenüber diesem Vorgehen gemischte Gefühle, denn meine Familie bedeutet mir alles. Der Staat schafft hier eine Hierarchie, die für mich nicht existiert: Einige Familienmitglieder werden für wichtiger als andere gehalten. Ein wenig willkürlich, oder? Andererseits verstehe ich, dass die Tür nicht jedermann offen stehen kann. Deutschland hat mich sehr herzlich empfangen. Ich muss und will die Regeln hier akzeptieren.

Das einzige, was schwer für mich zu akzeptieren ist, ist, dass ich nicht in die Türkei reisen kann. Als Flüchtling braucht man dafür ein Visum, was nicht leicht zu bekommen ist. Wenn ich eine Empfehlung an die Politik geben dürfte, wäre es, das Verfahren der Visaerteilung zu verbessern und sinnvoll zu beschleunigen. Ich wurde von meiner Familie für lange Zeit getrennt und würde sie nun einfach gerne wiedersehen.”

Anmerkung:
Im Rahmen des Asylpaket II, Ges. v. 11. 3. 2016, BGBl. I, S. 390 wurde der Familiennachzug für sog. subsidiär Schutzberechtigte bis 16. März 2018 ausgesetzt, § 104 Abs. 13 AufenthG. Als subsidiär schutzberechtigt gelten Ausländer, die stichhaltige Gründe für die Annahme vorbringen, dass ihnen in ihrem Herkunftsstaat ein ernsthafter Schaden droht. Als solche gelten die Verhängung oder Vollstreckung der Todesstrafe, Folter oder unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Bestrafung oder eine ernsthafte individuelle Bedrohung des Lebens oder der Unversehrtheit einer Zivilperson infolge willkürlicher Gewalt im Rahmen eines internationalen oder innerstaatlichen Konflikts, § 4 I AsylG.


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