Manche Europäer denken, dass Flüchtlingen aus dem Dschungel kommen

Mustafa Aljaradi (31) kommt ursprünglich aus der Gegend von Raqqa in Syrien. Er ist politischer Flüchtling. In seinem Geburtsland hat er Assads Regime und ISIS stark kritisiert. Er ist aus Angst vor Vergeltung vor drei Jahren in die Türkei geflohen, um dann schlussendlich die Niederlande zu erreichen. Er spürt, dass es seine Pflicht ist, die Welt auf das aufmerksam zu machen, was in Syrien geschieht. Auf Facebook und Twitter (@Mjaradie) zeigt er uns mit Worten und Bildern die schrecklichen Folgen des Syrienkrieges.

Vor seiner Ankunft in den Niederlanden musste Mustafa seine Fingerabdrücke in Deutschland abgeben, was das Verfahren verlangsamte. In den Niederlanden spürte er die Vorurteile und Spaltung in der Flüchtlingsfrage. Daher befürwortet er den Zugang von mehr Hintergrundinformationen für die Öffentlichkeit, damit die individuelle Einstellung zu Flüchtlingen von jedem selbst und anhand von genügend Informationsmaterial überdacht werden kann. In Hinblick auf die Integration glaubt er, dass der beste Weg in eine Gesellschaft hineinzuwachsen der ist, die Sprache zu lernen. Zu diesem Zweck hat er einige praktische Tipps parat.

Ankunft in den Niederlanden

Mustafa erzählt, dass seine Ignoranz hinsichtlich der Folgen der Registrierung seiner Fingerabdrücke in dem europäischen Land seiner Ankunft sein Verfahren verzögert hat. Bevor er vor anderthalb Jahren in den Niederlanden ankam, musste er seine Fingerabdrücke in Deutschland registrieren lassen. Er spricht von der sogenannten Dublin-Verordnung. Mustafa scheint sehr gut über den Inhalt des Abkommens informiert zu sein, das ihm vor seiner Ankunft in Europa nicht bekannt war. Es dauerte mehr als ein Jahr, bis das Niederländische Amt für Einbürgerung und Immigration (INS) eine Einigung mit Deutschland über die Frage erzielt hatte, wer nun für seinen Antrag auf Asyl verantwortlich war.


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Integrationskurslehrer: Keine Integration ohne Achtung der Grundwerte

Abdeslam El Ghamri hat marokkanische Wurzeln und lebt seit 1995 in Belgien. Er beschreibt sich selbst als “glücklich verheiratet und Vater von 4 Kindern”. Zusätzlich zu seiner Familie hat seine Arbeit große Bedeutung für ihn. Als Lehrer für gesellschaftliche Integration beim belgischen Regierungsbüro hilft er Neuankömmlingen dabei ihren Weg in der belgischen Gesellschaft zu finden.

Da er selbst Migrant war, kennt er die Hindernisse und Möglichkeiten seiner Schüler genau. So macht ihn seine eigene Migrationserfahrung zu einem exzellenten Lehrer. Zusätzlich zu seinem Charisma ist er ein großartiger Schriftsteller. Der folgende Artikel zeigt sein Engagement für unsere multikulturelle Gesellschaft.

Lasst uns alle Tabus in Integrationskursen diskutieren

Abgesehen vom schlechten Wetter, ist und bleibt Belgien für mich eines der schönsten Länder Europas. Nicht, weil das Leben hier besser wäre als anderswo, aber es werden Demokratie, Freiheit und die Gleichheit der Bürger tatsächlich gelebt. Jedermann ist hier gleich viel wert unabhängig von Rasse, Hautfarbe, Religion, Geschlecht, etc. Es gibt Solidarität zwischen den Starken und den Schwachen mit Respekt für jedes menschliche und tierische Wesen.

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Syrischer Ingenieur: “Integrationskursen helfen nicht bei Integration”

Architektin Sara* und Software-Entwickler Said* sind aus Syrien nach Europa geflohen. Ihnen wurde Asyl gewährt und sie leben nun in einem kleinen, aber gemütlichen belgischen Appartement. Er studiert Informatik im Master, sie besucht einen Intensivkurs Niederländisch. Die beiden waren so nett, uns zu sich nach Hause einzuladen, wo sie uns über ihre Schwierigkeiten berichtet haben, einen Job zu finden.

Herzliches Willkommen

Die beiden lockeren Dreißiger Sara und Said waren damit einverstanden, uns in ihrem belgischen Appartement zu treffen. Da wir uns nie zuvor begegnet waren, wussten wir nicht, was uns erwartete. Ein kleiner Aufzug brachte uns den Weg bis ins oberste Stockwerk eines Wohnblocks und verstärkte so die Anspannung, die wir sowieso schon fühlten. Es war unser erstes echtes Interview.

Sie empfingen uns mit einem Lächeln. Das Paar wirkte ein wenig schüchtern, aber auch irgendwie glücklich über unser Interesse an seiner Geschichte. Nachdem sie uns die Mäntel abgenommen hatten, luden sie uns herzlich in ihr Wohnzimmer ein, wo wir mit frischem Obst empfangen wurden. Es fühlte sich an, als würden wir uns schon ewig kennen.

Sie flohen nach Europa eine Woche nach der Hochzeit, indem sie dem unberechenbaren Mittelmeer nur mit einem Gummiboot trotzten.

Said und Sara haben offen über ihre Leben gesprochen. Sie hatten sich zu Beginn des syrischen Bürgerkrieges kennengelernt, als sie als Architektin und er als Informatiker gearbeitet hatten. Als die Situation in Damaskus für sie unerträglich wurde, entschieden sie sich, zu heiraten. Eine Woche nach der Hochzeit flohen sie nach Europa, indem sie dem unberechenbaren Mittelmeer nur mit einem Gummiboot trotzten.

Glück und Lebensfreude

Als wir ihnen Komplimente für die Einrichtung ihrer Wohnung machten, war das Eis gebrochen. Beide strahlten nur so vor Stolz. Eine Wohnung zu finden, erwies sich als schwierig:

“Wir hatten erst einen anderen Mietvertrag unterschrieben, aber der Vermieter änderte seine Meinung und wollte nicht an Flüchtlinge vermieten. Sie verwendeten nicht diese exakten Worte, aber darauf lief es schlussendlich hinaus. Auch wenn wir das Recht auf unserer Seite hatten, wollten wir einen Rechtsstreit um jeden Preis vermeiden. So ließen wir die Wohnung sausen und suchten nach einer Alternative”, erzählte Sara uns.

Sie sprachen freimütig über all die herzlichen Belgier, die sie kennengelernt hatten, ebenso wie den Bruder von Said, der schon für eine Weile in Belgien gelebt hatte: “Wir haben uns hier mittlerweile ein gutes Netzwerk aufgebaut”, erzählt uns Said stolz.

Wenn wir beide Arbeit haben, werden wir vielleicht eine Familie gründen … Wer weiß

Als wir sie nach ihrem größten Traum befragen, waren sie einer Meinung:

“Wieder arbeiten gehen zu können in einem anständigen Job, und zwar so bald wie möglich!” Eben weil sie in Syrien vor dem Krieg ein sehr erfolgreiches Leben geführt hatten, ist die Tatsache, dass das nun in Belgien unmöglich ist, eine harte Realität. “Wenn wir beide Arbeit haben, werden wir vielleicht eine Familie gründen … Wer weiß”, fügt Said vorsichtig hinzu.

Während ihre positive Einstellung und ihre Dankbarkeit uns auffallen, bitten wir sie um konstruktive Kritik hinsichtlich ihrer Behandlung und der Situation in Belgien.

Arbeitssuche

‘Syrische Arbeitserfahrung’, scheint unzureichend zu sein, selbst für einen Job wie Informatiker, in dem immer Leute gesucht werden. Die vielen Bewerbungen, die die beiden versandt haben, bleiben unbeantwortet. Said studiert nun in einem Master in Informatik, gelehrt in Englisch, an einer belgischen Universität, ebenso belegt er einen Niederländischkurs. “Ich weiß nicht, ob das ausreicht”, sagt er besorgt. “Es gibt 40 andere Schüler in meinem Kurs!”

Ich bin überzeugt, dass ich den Master auf Englisch problemlos abschließen könnte. Sie sollten uns eine Chance geben.

Auch wenn Sara für einige Jahre als Architektin gearbeitet hat, kann auch sie keine Arbeit finden. Ein Masterabschluss von einer europäischen Universität scheint essenziell zu sein. Zehn Jahre nach ihrem Abschluss muss sie ihre Bücher wieder hervorholen und lernen. Zu ihrer großen Enttäuschung kann sie auch damit nicht anfangen; ihr auf fünf Jahre angelegter syrischer Bachelorabschluss wird nicht voll anerkannt. Um ein Äquivalent zu einem belgischen Bachelor-Abschluss zu haben, muss sie 40 Creditpoints im Bauingenieurwesen erreichen (mehr oder weniger ein halbes Jahr, Anm. d. Red.). Leider werden diese Kurse nur auf Niederländisch (oder Französisch) angeboten.

Arabisch ist eher wie Deutsch. Unsere Lehrer sagen, dass ihr es nicht auf die Weise, in der wir es sagen, ausdrücken kann

“Ich bin überzeugt, dass ich den Master auf Englisch problemlos abschließen könnte. Sie sollten uns eine Chance geben”, seufzt sie. “Ich muss erst von Null an ein Niveau von C 1 in Niederländisch erreichen – das heißt, die Sprache fließend zu beherrschen. Das ist nicht einfach, gerade mit Arabisch also Muttersprache. Die Aussprache ist so schwierig, vor allem der Buchstabe “g”! Wir sprechen es wie “ch” aus: ‘dertich ‘ statt ‘dertig’. Arabisch ist eher wie Deutsch. Unsere Lehrer sagen: “Ihr könnt es nicht so sagen wie wir!” Sie lächelt. “Nur, wenn ich das Level C 1 in Niederländisch erreiche, kann ich die benötigten Creditpoints bekommen, um gerade einmal meinen Master zu beginnen! Das wird Jahre brauchen. Das ist so ineffektiv und unnötig!”

Integrationskurse

Sara holt ihren Stundenplan hervor und zeigt auf das Fach ‘Nederlandskunde’, das Teil ihres Intensivsprachkurses ist. “Hier bringen sie uns das bei, was wir auch schon in den Integrationskursen gelernt haben”, sagt sie enttäuscht. “Ich lerne nichts Neues, aber mir wird immer noch keine Befreiung angeboten.”

Bei Integrationskursen geht es nicht um Integration. Sie bauen eine Mauer zwischen Flüchtlingen und Gesellschaft auf

“Bei Integrationskursen”, fügt Said hinzu,”geht es nicht um Integration. Du lernst etwas über die Geschichte Belgiens und wie die Versicherung funktioniert. Jeder kann diese Informationen online finden. Nach einer schnellen Googlesuche wissen wir alles.”

Da wird er von seiner Frau unterbrochen: “Ich glaube, wir wissen mehr über Belgien als die Belgier selbst!”

Said fährt fort: “Allerdings. Es wäre besser, wenn es so eine Art Praktika gäbe, die man für uns organisiert. In einem Integrationskurs erwarte ich, dass man mich in den belgischen Alltag hinein wirft, aber das ist ganz und gar nicht der Fall. In Wahrheit bauen diese ‘Integrationskurse’ eine Mauer zwischen Flüchtlingen und Gesellschaft. Zwei Klassen von Leuten werden geschaffen: Du bist entweder Flüchtling oder Belgier. Ich glaube wirklich, dass das besser wäre. Unsere Nachbarn laden uns als Said und Sara ein, nicht als Flüchtlinge. Das nenne ich Integration!”

“Unser Taschengeld, 7, 40 € in der Woche, wurde vor allem für Bustickets ausgegeben”

Das Paar stellt den Wert von Integrationskursen in Frage und bemerkt auch, dass das Pendeln für sie nicht einfach war: “Wir mussten 30 Minuten zur Haltestelle laufen, nur um uns dort mit einer langen Fahrt konfrontiert zu sehen. Wir hatten 3 Stunden lang Unterricht, nach dem wir dann zum Lager zurück mussten. Unser Taschengeld, 7, 40 € in der Woche, wurde vor allem für Bustickets ausgegeben. Trotz der täglichen Herausforderungen, zum Unterricht zu kommen, entschieden sie, uns zwei anderen Niederländischkursen zuzuweisen, die ebenso wenig erreichbar waren.”

Wir schätzten ihre Offenheit. Später sprachen wir mit ihnen auch über die Lebensbedingungen in belgischen Flüchtlingscamps.

*Das Paar wollte anonym bleiben. Ihre Identitäten sind RefuTales bekannt.

Die Empfehlungen von Said und Sara

  • Erlaubt syrischen Bachelor-Absolventen, sich für einen Master zu qualifizieren
  • Integrationskurse sollten gute Möglichkeiten für die Integration bieten, zum Beispiel durch organisierte Praktika. In den Empfangslagern gibt es nur wenig Kontakt mit Europäern. Warum warten, bis Asyl gewährt wird?
  • Auf die Art und Weise, in der “Integrationskurse” derzeit organisiert sind, wird eine Mauer zwischen Flüchtlingen und Belgiern aufgebaut: Du bist entweder Flüchtling oder Belgier. Das könnte besser sein.
  • Wenn es Kurse gibt, müssen die einfach vom Lager aus zu erreichen sein.

Interview mit einer jungen syrischen Geflüchteten in Deutschland: Integration

In Teil I und II unserer Interview-Serie mit Sajida haben wir über das Asylverfahren und Kulturschocks gesprochen. Jetzt geht die Geschichte weiter. Der dritte und finale Teil handelt von den sexuellen Überfälle, das Deutschlernen und ihren Kampf darum, ihr Studium in Europa fortzusetzen

Das letzte Mal haben wir über Respektlosigkeit gesprochen. Was ging dir durch den Kopf, also du von den Angriffen in der Silvesternacht in Köln gehört hast?

Ich war natürlich geschockt!

Es dauerte eine Weile, bis die Nachricht auch unser Camp erreichten. Weil keiner meiner Nachbarn die Nachrichten verfolgten, habe ich es über Hörensagen erfahren. Es war hart. Ich fragte mich immer wieder: Warum? Warum würde irgendwer so etwas tun? Ich habe es nicht verstanden. Ich tue es immer noch nicht. Ich weiß, dass Menschen zu Grausamkeiten fähig sind. Schau dir nur an, was in Syrien geschieht … aber massenhafte sexuelle Angriffe? Nein, ich konnte es nicht begreifen. Mein Herz blutete.

Nach dem ersten Schock wurden mir langsam all die Konsequenzen bewusst. Einige befreundete Asylbewerber befürchteten, dass wir dafür verantwortlich gemacht werden würden. Das führte zu sehr erhitzten Diskussionen. Wir verfluchten die Täter für ihre Verbrechen und dafür, dass sie unsere Integration behindern würden. Unsere Träume von einer erfolgreichen Zukunft schien zerschellt. Die Sehnsucht nach Gerechtigkeit war immens. Jeder wollte, dass die Tatsachen aufgeklärt werden würden. Wir überlegten: Wer waren die Täter? Ich konnte mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass jemand aus meinem Camp dafür verantwortlich wäre. Es waren alles so gute Leute. Wer zur Hölle tat so etwas?

Ich tat mein Bestes, um den Vorfall zu begreifen. Vielleicht waren es keine “neuen” Flüchtlinge, aber “alte” – Leute, die unter anderen Umständen hierher kamen. Vielleicht gibt es ein kulturelles Problem. In manchen Regionen haben Männer kaum Respekt vor Frauen. Das sollte nicht übersehen werden. Was war ihre Nationalität? Natürlich, kriminelles Verhalten kann nicht allein durch Kultur erklärt werden. Jeder bleibt selbst verantwortlich für sein Verhalten. Trotzdem kann man nicht leugnen, dass es da ein grundlegendes Problem gibt. Die Täter können nicht nur als ‘Perverse mit Machtkomplex’ abgetan werden. Wer sind sie? Warum haben sie das getan? Wie können wir solche Fälle vermeiden?

Du hast uns erzählt, dass du nach fünf Monaten Asyl bekommen hast. Was geschah dann?

Nachdem uns einmal Asyl gewährt wurde, hatten ich und meine Familie Anspruch auf eine Sozialwohnung. Wir zogen gemeinsam nach Stuttgart. Ich musste mich beim Jobcenter melden (ein reguläres Zentrum auch für alle deutschen Bürger, die Unterstützung beziehen, und nicht speziell für Flüchtlinge, Anmerkung d. Übers.), wo ich über meine Pläne und Ziele befragt wurde. Ich war sehr froh darüber. Endlich wurde ich als jemand behandelt, der einen Job sucht und nicht wie jemand, der nur passiv nach Hilfe fragt!

Flüchtlinge zu einer Arbeitsstelle oder einem Kurs zu begleiten, der zu ihnen passt, ist ein großartiger Service. Nicht so großartig war, dass diese Termine einen ganzen Monat beanspruchten. Ich wollte so bald wie möglich anfangen, aber es war mir nicht erlaubt. Das war ziemlich demotivierend.”

Bist du von einem Termin zum nächsten gegangen oder hat der Papierkram beim Jobcenter so lange gedauert?

Das kommt auf den Teil des Verfahrens an. Manchmal musste ich als Kurier zwischen den verschiedenen Stellen agieren. Wenn mir bei einem eine Bescheinigung ausgestellt wurde, musste ich mich beim nächsten anstellen, um es dort abzugeben. Es gab dort scheinbar keinerlei interne Kommunikation. (lacht ironisch)

An manchen Tagen kam ich für Gespräche, an anderen hatte ich Anträge und Papiere auszufüllen.

Bei meinem ersten Gespräch erwähnte ich, dass ich mein Studium beenden wollte. Das stellte sich als komplizierter als erwartet heraus. Bei meinem dritten Termin wurde mir gesagt, dass ich nicht ohne gute Deutschkenntnisse (Niveau C1) studieren könnte. Auf Englisch zu studieren, wurde mir nicht angeboten.

Sie haben mich behandelt, als würde ich keinerlei eigenen Einsatz für meine Integration erbringen. Das ist ziemlich verletzend. Zum Beispiel wurde ich auf einen Deutschkurs verwiesen mit den Worten, ‘dass sie wüssten, wenn ich nicht dort hinginge’ Das ist so herablassend!

Eigentlich hatten sie erwartet, dass ich die deutsche Sprache bereits beinahe perfekt beherrschte (nachdem ich fünf Monate lang in einem Flüchtlingscamp war, Anm. d. Red.). Als ich beim Jobcenter war, haben manche Mitarbeiter auf Deutsch geantwortet, auch wenn sie Englisch sprachen und ich mit ihnen Englisch gesprochen habe. Ich bin nicht undankbar, aber das stört mich etwas zu sehr! Da ich den Prozess so schnell wie möglich hinter mich bringen wollte, habe ich stets nach jemandem gesucht, der trotzdem bereit war, Englisch mit mir zu sprechen. Das war nicht einfach. Als ich endlich jemanden gefunden hatte, mussten sie sich immer noch an den Gedanken gewöhnen. Daher war die Konversation oft ein wenig unterkühlt. (lacht)

Es kam auch vor, dass anstatt auf Englisch zu antworten, mir gesagt wurde, dass ‘ich mir selbst einen Übersetzer suchen sollte’ Manche Jobcenter hatten Übersetzer, die einige Male hinzugezogen wurden, die aber nicht jedem, der Hilfe gebraucht hätte, helfen konnten.

Alles in allem hat es nicht viel gebracht.

Momentan studierst du, richtig?

Ja. Schließlich bin ich mit Kiron in Kontakt gekommen, wo ich nun auch mit einem Teilzeit-Vertrag beschäftigt bin. Kiron kann am besten als ‘die Flüchtlings-Universität’ beschrieben werden. Durch eine Kombination aus Maschinenbau – MOOCS (massive open online courses, Online -Vorlesungen, Anm. d. Übers.) und einen eingehenden Deutschkurs bin ich darauf vorbereitet, an einer normalen deutschen Universität zu studieren. Das ist eine großartige Initiative! Nach zwei Jahren des Online – Studiums soll ich das C1-Level in Deutsch erreichen (die Sprache fließend beherrschen, Anm. der Redaktion)

Auch, wenn ich nichts anderes tue, als Kiron zu loben, verliere ich immer noch viel Zeit und habe immer noch nicht die so wichtige universitäre Umgebung. Idealerweise würde ich mich an einer richtigen Universität einschreiben. Die Ineffizienz des Systems fängt an, mich zu frustrieren! Ich weiß, dass jeder es gut mit mir meint, aber ich will doch einfach nur mein neues Leben so bald wie möglich beginnen!

Warum bin ich eigentlich so an Deutschland gebunden? Wenn man mir anbieten würde, auf Englisch zu studieren, würde ich sofort anfangen. Ich würde in einen anderen EU-Mitgliedsstaat zum Studium ziehen!